Veränderung

“Alles verändert sich”….Wie mich dieser Satz immer wieder irritiert. Immer, wenn ich diesen Satz höre oder denke, steigen in mir mehrere Gefühle gleichzeitig auf, aber oft ist Unbehagen das vordergründige Gefühl und ich habe mittlerweile heraus gefunden, woran das liegt.

Ich bin eine Person (Sternzeichen Jungfrau;-), also auf Sternzeichen kann man sowieso alles schieben), die es gut findet, wenn die Dinge so bleiben, wie sie sind, am besten einschätzbar! Also natürlich nur, wenn sie gut für mich sind und mich zufrieden stimmen, zumindestens im Außen… und erst, wenn viele Dinge so bleiben, wie sie sind, also, wenn man, zum Beispiel 10 Jahre Bafög erhalten würde, ohne alle halbe Jahre neu zu beantragen oder Freundschaften unverändert oder die gesellschaftliche Genesung einfach systematisch voran schreiten würde und die gesellschaftliche Reflexion einen kontinuierlichen, immer gleichen prozentualen Anstieg erhalten würde und so weiter, erst dann hat man doch erst irgendwie auch die Muße als einzelner Mensch ins “Machen” zu kommen. Verstehst du, was ich meine?

Also, ich mag es nicht, wenn das Leben oder Menschen mich herausfordern. Wer mag das schon…Ich möchte irgendwie stille und ruhige Gewässer… aber nun lebe ich in einer Welt, in der Langeweile keinen Platz mehr hat, in der Adrenalin und “Mehr ist Mehr” besser ankommt als sich zufrieden umzuschauen und Räume für Pausen eher Unbehagen auslösen. Wir erschaffen uns unsere eigene Welt, klar, und trotzdem sind die Herausforderungen und die Wirbelwinde da. Und sie tun weh und wirbeln uns alle ganz schön durcheinander:-) Was hilft mir also in diesen Zeiten, in der es sich eher so anfühlt als ob der eigene Wirkungskreis von einer Lawine der äußeren Umstände still gelegt wird?

Der erste Satz, der mir dazu in den Sinn kommt ist: “Be water, my friend” von Bruce Lee… ein wirklich faszinierender Mensch, der den Satz leider auch nicht wirklich ausgiebig praktizieren konnte. Wirft man also einen Satz auf diese Welt, verabschiedet sich dann und sagt: so, und jetzt seid ihr dran…Auch ne geniale Methode, um den Leuten, ihre Selbstwirksamkeit so richtig aufs Butterbrot zu schmieren, aber davon mal ganz abgesehen. Weichheit ist dann also für mich ein ganz krasses Schlüsselwort geworden. Sich den Gegebenheiten anpassen, zuhören und sich neu ausrichten, lebendig auf die Umstände reagieren. Abwarten und den Raum zwischen Reiz und Reaktion verlängern… Wasser wird auch nicht sofort zu Eis… Wasser hört erst hin und verändert dann seinen Aggregatzustand.

Heute zum Beispiel: Es regnet, die Nacht war um 4.30 Uhr dann vollends vorbei, und meine Tage kündigten jetzt nach über zwei Jahren an. Und dann habe ich geduscht und überlegt auf welches Gefühl ich jetzt hören möchte. Möchte ich jetzt missmutig durch die Gegend laufen und Angst davor haben, evtl. drei bis zehn Tage mal wieder nix hinzubekommen, weil ich mich vermutlich vor Schmerzen nicht mehr bewegen kann oder schwenke ich die rote Fahne (sorry, der musste sein) und sage mir: herzlich willkommen, hier ist nach zwei Jahren endlich wieder etwas sehr Vertrautes, etwas das zu meinem “alten Ich” gehört, auch wenn es erst wieder nach über zwei Jahren an meine Tür klopft.

Und nun sitze ich hier, habe mich für die zweite Variante entschieden und bin irgendwie sehr zufrieden, weil sich jetzt etwas ändert, in dem etwas Vertrautes wiederkehrt und ich heute zumindest verstanden habe, was es bedeutet, Wasser zu werden, zuzuhören, inne zu halten und eben nicht auf das erste Gefühl anzuspringen. Ich gönne mir Ruhe, zelebriere, was ich habe, was vertraut ist, auch wenn sich etwas verändert. Ich passe mich ganz ruhig der Situation an, gönn mir und freu mich dann doch auf das, was sich vielleicht noch verändern wird. In diesem Sinne: nicht aufgeben, hinhören, ruhig bleiben und entscheiden, wie man dann den Berg integriert:

BE WATER MY FRIEND.

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Authentizitität